Zwischenbilanz: Anwendung der Gesamtperspektive Flusslandschaften

Ergebnisse von 13 Interviews zur Arbeit mit der Studie, durchgeführt und ausgewertet von den Büros Stein+Schultz und Koenzen, Sommer 2015.

Die Befragten arbeiten in Stadt- und Kreisverwaltungen bzw. Waterschaps und Bezirksregierungen oder in privaten Planungsbüros mit der Gesamtperspektive Flusslandschaften. Die Gespräche wurden mit Hilfe eines Leitfadens mit offenen Fragen geführt und ausgewertet. Hier werden die Ergebnisse in Form von Zitaten und thematischen Clusterungen präsentiert. Sie sind nicht als quantitative Aussagen zu verstehen, sondern geben beispielhaft Einblick in die Arbeit mit der Studie. Am Ende stehen fünf Schlussfolgerungen des Auswertungsteams für die zukünftige Arbeit an den Flusslandschaften. Die Ergebnisse stehen auch zum Herunterladen bereit.

In welchen Situationen haben Sie das Anwenderhandbuch eingesetzt?

  • „Im Projekt 2Stromland, Experiment Wassermodell/Stadtmühlenbucht und in anderen Büroprojekten außerhalb der Region, z.B. an der Sulm in Neckarsulm“ (Rudolf Mager/Alexander Rohe, Atelier Dreiseitl, Überlingen)
  • „Umbau der Stauanlagen in Velen-Ramsdorf. Weitere Projekte im Kreis Borken: Stadtlohn, KuBAaI Bocholt, Schlinge (großräumig!)“ (Stefan Pelz, Kreis Borken)
  • „Bei der Entwicklung des Projektes für die Issel bei Marienthal: gemeinsam mit Ingo Klenke vom Kreis Wesel, auch vor Ort mit dem Anwenderhandbuch in der Hand“ (Thomas Michaelis, Stadt Hamminkeln)
  • „In den Projekten an der Bocholter Aa, ‚Wasserzwischenräume‘ an der Stever, an der Berkel in Coesfeld, an der Schlinge und an der Berkel in Stadtlohn“ (Ulrich Denecke, Bezirksregierung Münster)
  • „Beim Regionale-Projekt ‚Wasserzwischenräume‘, beim Selmer Bach im Innenbereich und auch bei der Gesamtbetrachtung“ (Thomas Wirth, Stadt Selm)
  • „Beim Projekt zur die Lippe querenden Wegeverbindung zwischen Schermbeck und dem Ortsteil Gahlen“ (Detlef Wübbenhorst, Kreis Wesel)
  • „Für das Regionale 2016-Projekt ‚KuBAaI“, für ein Rückhaltebecken an der Alten Aa und im Rahmen einer gewässerökologischen Aufwertung des Holtwicker Bachs“ (Jürgen Kuhlmann, Stadt Bocholt)
  • „An der Berkel in Coesfeld“ (Thomas Backes, Stadt Coesfeld)
  • „Bei Werkstattverfahren zu Stadträumen entlang der Berkel. In kommunalpolitischen Überzeugungsprozessen selten das Handbuch direkt, aber seine Inhalte spielten im Hintergrund eine Rolle für die Kommunikation von Inhalten“ (Joachim Hartmann, Stadt Vreden)
  • „Im Projekt 'Gewässerkonzept Schlinge/Bovenslinge', laufend von 2013-2014. Wir haben in der begleitenden Arbeitsgruppe aber nicht mit dem Buch 'auf dem Tisch' gearbeitet, daher ist es mehr im Hintergrund eine Hilfe gewesen. Hinweis: Im Rahmen des Planungsprozesses wurde das gesamte Spektrum des Handbuches intensiv genutzt.“ (Bram Zandstra, Waterschap Rijn en IJssel)
  • „Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, und zwar zur eigenen Inspiration ‚So könnte das aussehen'.“ (Hans Peter Bakenecker-Serné, Stadt Gronau)
  • "Bisher eher allgemeine Befassung (kein konkretes Projekt), dabei haben wir u.a. das Anwenderhandbuch mit Kollegen ausgetauscht. Zurzeit jedoch aktiv auf der Suche, das richtige Projekt zur Umsetzung des Konzeptes zu finden.“ (Peter van der Wiele, Waterschap Vechtstromen)

Nutzen Sie die Erkenntnisse der Bestandsanalysen?

Legende: +++ (häufige Nennung), ++ (mehrfache Nennung), + (einzelne Nennung)

  • „Praktisch/praktikabel“ (+++)
  • „Nachvollziehbar“ (+++)
  • „Einprägsam“ (++)
  • „Hilfreich“ (++)
  • „Passend“(+)

Gelingt die Einordnung in Flussetappen und Flussraumtypen?

  • „Funktioniert gut“ (+++)
  • „Nachvollziehbar" (+++)
  • „Praktisch/Praktikabel“ (++)
  • „Hilfreich“(+)

Inspiriert die Arbeit mit dem Flussraumtyp als Zielvorstellung?

  • „Hilfreich“ (+++)
  • „Zugang für jedermann“ (+++)
  • „Inspirierend“ (++)
  • „Diskussionsanregend“ (+)
  • „Berücksichtigung der Bedürfnisse von Bürgern UND Naturschutz“ (+)
  • „Nachvollziehbar“ (+)
  •  „Motivation + Spielräume“ (+)
  • „Eingängig“ (+)

Welche Rolle spielen die Abbildungen? Wann nutzen Sie die Flussraumtypen?

  • „Niedrigschwellig/Zugang für jedermann“ (+++)
  • „Hilfreich“ (+++)
  •  „Nicht polarisierend/plakativ“ (++)
  • „Themenvermittelnd“ (+)
  • „Interesseweckend“ (+)

Funktionieren die Flussraumtypen für Gespräche mit Wasserbauern, Ökologen, Landschaftsarchitekten und Städtebauern, Bürgern und Politikern gleichermaßen?

  • „Interdisziplinärer Ansatz hilfreich“ (+++)
  • „Zusammenarbeit war schon gut“ (+++)
  • „Trotz interdisziplinärem Ansatz wegen Fördermitteln später Aufsplittung notwendig“ (++)
  •  „Hilfreich bei Politikern“ (++)
  • „Bezirksregierung/Behörden tun sich noch schwer“ (++)
  • „Hilfreich bei Bürgern“ (++)
  • „Hilfreich bei Städtebauern“ (+)
  • „Hilfreich bei Bewilligungsbehörde“ (+)

Inwiefern hat sich die Arbeit mit den Flussnachbarn verändert? Hilft die Darstellung „Besonderheiten der Flusssysteme“ und wenn ja wie?

  • „Positive Veränderung“ (+++)
  • „Bessere Zusammenarbeit vor allem durch Regionale 2016“ (++)
  • „Zusammenarbeit war bereits gut/intensiv“ (++)
  • „Bewusstere/bessere Kommunikation“ (++)
  • „Neuer Zugang für Zusammenarbeit“ (++)
  • „Rechtslage in verschiedenen Kreisen für Austausch zu unterschiedlich“ (+)
  • „Entscheidend eher die Zusammenarbeit im Entwicklungsprozess der Gesamtperspektive Flusslandschaften, danach rückte Zusammenarbeit in den Hintergrund“ (+)

Welche Erfahrungen wurden mit den vereinbarten Spielregeln gemacht? Welche sind mehr, welche weniger entscheidend? Fehlen welche?

  • „Keine Notwendigkeit für Spielregeln, da selbstverständlich“ (+++)
  • „Nicht wirklich präsent“ (+++)
  • „Wichtig und passend“ (++)
  • „Bindet zu viel Zeit/zu prozesslastig/zu frühe Einbeziehung aller Betroffenen nicht sinnvoll/Spielregeln verlangen zu große Ergebnisoffenheit/Spielregeln eher als Richtschnur sinnvoll“ (+)
  • „Nicht explizit genutzt, Spielregeln können aber noch wichtig sein“ (+)

Hat sich die Qualität der Projekte (Innovationsgehalt, regionale Verknüpfung, Interdisziplinarität etc.) insgesamt durch die Arbeit mit dem Anwenderhandbuch erhöht?

  • „Hat sich verbessert“ (+++)
  • „Vor allem durch Interdisziplinarität verbessert“ (+++)
  • „Interessante und erfolgreiche Arbeits- und Vorgehensweise“ (++)
  • „Entwurfssprache geht auf Flussraumtypen ein“ (++)
  • „War bereits gut“ (++)
  • „Inspiration funktioniert, aber nicht die reine Lehre – wir sammeln weiter Erfahrung“ (++)
  • „Arbeit wird endlich den Anforderungen der Flusslandschaften gerecht" (++)
  • „Anwenderhandbuch fungiert als Prüfinstanz und damit zur Qualitätssicherung“ (++)
  • „Entwicklungsprozess entscheidender als die eigentliche Arbeit mit dem Anwenderhandbuch“ (++)
  • „Inspirierend“ (++)

Wo wird noch Verbesserungsbedarf gesehen, um die Arbeit mit der Gesamtperspektive Flusslandschaften in der Praxis noch stärker zu verankern?

  • „Kein Verbesserungsbedarf des Anwenderhandbuches vorhanden“ (+++)
  • „Administrative Seite tut sich schwer – keine Gesamtperspektivbetrachtung“ (++)
  • „Erfahrungsaustausch wünschenswert“ (++)
  •  „Wir sollten das Handbuch in Zukunft expliziter nutzen“ (+)
  • „Mehr Referenzprojekte aus ländlichen Situationen“ (+)
  • „Fachliche Regelwerke schränken interdisziplinäre Wirkung des Handbuches ein“ (+)
  • „Eigendynamisierung wichtig“ (+)
  • „Bezirksregierung besser einbinden“ (+)
  • „Für abschließendes Urteil noch zu früh“ (+)

Fehlen noch Themen oder gibt es noch neue Projektideen die noch im Rahmen der Regionale 2016 verfolgt werden sollten?

  • „Kein Thema fehlt“ (+++)
  • „Robustes Gewässersystem unter Einbeziehung der Landwirtschaft“ (+)
  • „Flüsse Issel und Dinkel“ (+)
  • „Weitere Projekte momentan nicht sinnvoll“ (+)

Schlussfolgerungen für die zukünftige Arbeit mit der Gesamtperspektive Flusslandschaften

1.  Bei allen Zielgruppen funktioniert die Arbeit mit den unterschiedlichen Instrumenten des Anwenderhandbuchs Gesamtperspektive Flusslandschaften. Die fachübergreifende Arbeit mit Flussetappen und Flussraumtypen wird als Qualitätssteigerung für Projekte angesehen.
Zwei Beispiele: Atelier Dreiseitl, eines der bekanntesten, international arbeitenden Planungsbüros im Bereich Wasser hält das Anwenderhandbuch für eine der besten Publikationen zum Thema Flusslandschaften und empfiehlt es in anderen Kommunen Deutschlands. Ein Mitarbeiter einer Regionale-Kommune, der selbst nicht vom Fach ist, nutzt das Handbuch mit seinen Kollegen vor Ort und findet, dass die Regionale das Thema als eines ihrer „Highlights“ noch weiter stärken sollte.
Empfehlung: Am Handbuch selbst keine Korrekturen oder Ergänzungen vornehmen.

2. Die Antworten der interviewten Anwender belegen den interdisziplinären Nutzen der Instrumente. Touristiker/Wirtschaftsförderer, Städtebauer und Landschaftsökologen können gleichermaßen mit ihnen arbeiten.
Empfehlung: Das Anwenderhandbuch in Beratungssituationen auch mit Fachleuten, die nicht aus dem Planungskontext kommen, einsetzen und auch bei Projekten, deren Schwerpunkt nicht unmittelbar in der Flussentwicklung liegt.

3. Die Spielregeln werden im Vergleich zu den anderen Bausteinen des Anwenderhandbuchs als weniger relevant gesehen, da sie in den meisten Fällen ohnehin als Bedingung für eine erfolgreiche Projektentwicklung angesehen werden.
Empfehlung: Konkretere und operative „Checkliste“ für Beratungsgespräche entwickeln.

4. Die allgemeinverständliche Bildsprache (vor allem bei Flussetappen und Flussraumtypen) hilft sehr bei der Verständigung mit allen Fachleuten und der interessierten Öffentlichkeit. Die Bilder sind anschaulich und somit praxistauglich.
Empfehlung: In Beratungssituationen Bildprotokolle („Simultan-Skribbeln“) und vielfältiges Bildmaterial einsetzen.

5. Die frühe und intensive Einbeziehung der fördermittelgebenden und prüfenden Behörden (zum Beispiel Bezirksregierungen) ist zentral für eine erfolgreiche Arbeit mit dem Anwenderhandbuch. Nur so kann sichergestellt werden, dass Rahmenbedingungen für Planungen bei allen Beteiligten klar sind und dass die Projektentwicklung im kompletten Projektverlauf von der Interdisziplinarität profitieren kann.
Empfehlung: Auch schon bei der Ideenentwicklung Vertreter von Bezirksregierungen umfassend mit in den Planungsprozess einbinden.